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Analfissuren & Analekzeme — Pflege, die wirklich hilft.

Zwei der häufigsten proktologischen Beschwerdebilder — und zwei, bei denen richtige Alltags-Pflege mehr bewirken kann als jedes Medikament. Was die aktuellen S3-Leitlinien zur Basispflege sagen, was du konkret tun kannst und wann du unbedingt zur Fachärzt:in solltest.

Leitliniengerechte BasispflegeSanft statt ReibungOhne Feuchttücher
Lesezeit 8 MinVeröffentlicht 22. April 2026

Was ist eine Analfissur?

Eine Analfissur ist ein kleiner Einriss der empfindlichen Schleimhaut am Analkanal — meist an der hinteren Mittellinie. Sie entsteht typischerweise durch harten Stuhl, zu starkes Pressen oder mechanische Reizung. Die Symptome sind unübersehbar:

  • Scharfer, brennender Schmerz während und nach dem Stuhlgang — oft für Stunden
  • Hellrotes Blut auf Papier oder Stuhl
  • Reflexhafte Verkrampfung des Schließmuskels, die die Heilung zusätzlich behindert

Akute Fissuren heilen mit richtiger Pflege meist innerhalb von 2–6 Wochen. Werden sie chronisch (länger als 6–8 Wochen), wird die Behandlung anspruchsvoller — oft ist dann eine proktologische Abklärung nötig.

Was ist ein Analekzem?

Ein Analekzem ist eine Entzündung der Haut rund um den Anus — meist als Reaktion auf chronische Reize: Feuchtigkeit, Reibung, Kontaktallergien gegen Feuchttücher, Salben oder Waschlotionen. Man unterscheidet grob drei Typen:

  • Irritativ-toxisches Ekzem durch mechanische oder chemische Dauerreizung (z. B. Feuchttücher).
  • Kontaktallergisches Ekzem durch Sensibilisierung gegen Duftstoffe, Konservierungsstoffe oder Salbenbestandteile.
  • Atopisches Ekzem im Rahmen einer generellen Neigung zu sensibler Haut.

Wichtig zu wissen

Die häufigste Ursache für das irritativ-toxische Analekzem ist paradoxerweise genau das, was viele zur Pflege einsetzen: feuchtes Toilettenpapier. Die S3-Leitlinie der DGK nennt es explizit als häufigen Auslöser.

Die Leitlinien-konforme Basispflege

Die S3-Leitlinie „Analekzem“ (AWMF 081-009) und die S3-Leitlinie „Analfissur“ (AWMF 081-010) der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie empfehlen in der Basispflege einen klaren Dreiklang:

1. Reinigung mit klarem Wasser

Warmes, klares Wasser — keine Seifen, keine Duschgels, keine Feuchttücher. Die Reinigung soll Reibung vermeiden und die natürliche Hautflora erhalten.

2. Sanftes Trocknen

Mit weichem Baumwolltuch oder Mullkompresse nur tupfen, nie reiben. Anschließend kurz an der Luft trocknen lassen, wenn möglich.

3. Pflegende Basis

Nach der Reinigung bei Bedarf eine dünne Schutzschicht — z. B. Zinkpaste oder Hamamelis-Salbe — nach ärztlicher Empfehlung. Wichtig: keine parfümierten Produkte, keine Steroidcremes ohne Rücksprache.

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Warum Wasser der wichtigste Baustein ist

Bei einer Analfissur ist die Haut offen — jeder Reizstoff trifft ungeschützt auf entzündetes Gewebe. Beim Analekzem ist die Schutzbarriere der Haut ohnehin beschädigt. In beiden Fällen gilt:

  • Jede Reibung verlängert die Heilung.
  • Jeder Konservierungsstoff kann neue Reizungen auslösen — besonders Methylisothiazolinon, ein bekannt potentes Kontaktallergen.
  • Jede Duft-Komponente ist potenziell ein Sensibilisierungs-Risiko.

Klares, lauwarmes Wasser hat keinen dieser Nachteile. Es ist die einzige „Reinigungssubstanz“, auf die gereizte Haut keine immunologische Antwort zeigt.

„In der proktologischen Sprechstunde verbringen wir einen erheblichen Teil der Zeit damit, Patient:innen von Feuchttüchern zu entwöhnen. Wasser-Reinigung ist fast immer der erste und wichtigste Schritt zur Besserung." — Aus der proktologischen Praxis,

Was du dringend vermeiden solltest

  • Feuchte Toilettentücher — auch „sensitive“ oder „parfumfrei“.
  • Seifen oder Duschgels im Analbereich.
  • Parfümierte Einlagen.
  • Starkes Reiben mit Toilettenpapier.
  • Selbstmedikation mit Kortison-Salben ohne ärztliche Empfehlung — sie können kurzfristig helfen, langfristig die Haut dünner machen und die Barriere weiter schädigen.
  • Langes Sitzen auf der Toilette — bei Fissuren ein häufig übersehenes Heilungs-Hindernis.

Wann zur Fachärzt:in?

Spätestens bei einem dieser Punkte bitte eine proktologische Praxis aufsuchen:

  • Beschwerden bleiben länger als 2 Wochen trotz Basispflege.
  • Blutungen sind stärker oder dunkel.
  • Eiter, Fieber oder starke Schwellung.
  • Knötchen oder Verhärtungen tastbar.
  • Wiederkehrende Fissuren (chronisches Muster).
  • Begleitende Symptome wie Gewichtsverlust oder Stuhlveränderungen (Ausschluss chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen).

Eine proktologische Untersuchung ist weniger unangenehm als ihr Ruf und dauert meist nur wenige Minuten. Scham ist hier kein Grund zu warten.

Quellen & Leitlinien

  1. AWMF: S3-Leitlinie Analfissur (Registernummer 081-010).
  2. AWMF: S3-Leitlinie Analekzem (Registernummer 081-009).
  3. Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK): Empfehlungen zur Analhygiene.
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bewertung Methylisothiazolinon.
mb
mybidet RedaktionFachlich geprüft · Freigabe Proktologie in Vorbereitung · Zuletzt aktualisiert 22. April 2026.